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AI Max für Suchkampagnen: Funktionen, Risiken, Test

27. Mai 2025 · Virtual Marketer Team

AI Max für Suchkampagnen ist eine Einstellung, die Google am 21. Mai 2025 auf der Google Marketing Live vorgestellt hat. Sie erweitert bestehende Suchkampagnen um KI-gestützte Keyword-Erweiterung, automatisch generierte Anzeigentexte und die dynamische Auswahl der Zielseite. AI Max ist kein neuer Kampagnentyp, sondern eine zuschaltbare Ebene über vorhandenen Suchkampagnen – und genau darin liegt der wesentliche Unterschied zu Performance Max.

Google nennt in der eigenen Ankündigung konkrete Zahlen aus frühen Tests: Werbetreibende, die AI Max in ihren Suchkampagnen aktivieren, verzeichnen demnach typischerweise 14 Prozent mehr Conversions beziehungsweise Conversion-Wert bei vergleichbarem CPA oder ROAS; bei Kampagnen, die überwiegend mit exakt passenden und Passiv-Wortgruppen-Keywords arbeiten, spricht Google von bis zu 27 Prozent. Diese Werte stammen vom Anbieter selbst und sind entsprechend einzuordnen – sie sind kein unabhängiger Benchmark, sondern eine Herstellerangabe aus einer Testphase. Laut derselben Ankündigung sollte die Funktion noch bis Ende Mai 2025 weltweit als Beta ausgerollt werden.

Was AI Max konkret tut

Die Funktion setzt an drei Stellen der Suchkampagne an.

Erweiterte Suchbegriff-Abdeckung

Statt ausschließlich an den hinterlegten Keywords zu haften, sucht das System nach zusätzlichen, thematisch passenden Anfragen – auf Basis von Broad-Match-Logik und keywordloser Technologie. Ziel ist es, Conversions zu erreichen, die eine rein keywordbasierte Struktur nicht abdeckt. Das ist besonders bei Long-Tail-Anfragen relevant, die es in keiner Keyword-Recherche gibt, weil sie zum ersten Mal gestellt werden.

Automatisch erstellte Anzeigentexte

Das System erzeugt Überschriften und Beschreibungen passend zur konkreten Anfrage, gestützt auf vorhandene Assets, die Zielseite und andere Signale. Das entspricht der Logik dynamisch erstellter Suchanzeigen, geht aber weiter, weil die Texte stärker auf die jeweilige Anfrage zugeschnitten werden.

Dynamische Zielseitenauswahl

Anstelle der fest hinterlegten Final URL kann das System eine besser passende Unterseite derselben Domain ansteuern. Für Shops mit großem Sortiment ist das potenziell der größte Hebel – und zugleich das größte Risiko, wenn die Seitenstruktur uneinheitlich ist.

Bemerkenswert an dieser Aufteilung ist, dass zwei der drei Bausteine nichts mit Werbung im engeren Sinne zu tun haben, sondern mit der Substanz der eigenen Website. Welche Anfragen sinnvoll bedient werden können und welche Unterseite die beste Antwort gibt, entscheidet sich in Sortiment, Seitenstruktur und Texten – nicht im Anzeigenkonto. Eine Automatisierungsebene verstärkt diese Grundlage, sie ersetzt sie nicht. Konten mit gepflegter Seitenstruktur profitieren daher überdurchschnittlich, während Konten mit veralteten Landingpages die eigenen Schwachstellen skaliert ausgespielt bekommen.

Der eigentliche Gewinn: Transparenz auf Anfrageebene

Fachlich am bemerkenswertesten an der Ankündigung ist nicht die Automatisierung selbst – die gab es in Teilen schon –, sondern der Berichtsteil. Google stellte in Aussicht, dass Werbetreibende erstmals seit langem Suchbegriff, ausgespielte Überschrift und verwendete URL im Zusammenhang sehen. Damit lässt sich nachvollziehen, welcher Nutzerweg tatsächlich zur Conversion geführt hat.

Das ist deshalb relevant, weil die zentrale Kritik an Performance Max seit Jahren fehlende Einsicht ist. Eine Automatisierungsebene, die ihre Entscheidungen offenlegt, lässt sich steuern; eine, die es nicht tut, lässt sich nur ein- oder ausschalten. Für Teams, die Google Ads professionell betreiben, ist diese Unterscheidung wichtiger als jeder prozentuale Uplift.

Wo Vorsicht angebracht ist

Drei Risiken sollten vor der Aktivierung bewertet werden.

Ein sauberes Testdesign

Für eine belastbare Bewertung reicht es nicht, AI Max einzuschalten und die Zahlen der Folgewoche zu vergleichen. Empfehlenswert ist ein strukturiertes Vorgehen:

  1. Vorher-Baseline festhalten. Mindestens vier Wochen Daten zu Conversions, CPA/ROAS, Anteil an Markenanfragen und Suchbegriffsstruktur dokumentieren.
  2. Kampagnenexperiment statt Vollumstellung. Google Ads bietet Experimente mit Traffic-Split. Damit lässt sich die Wirkung isolieren, ohne saisonale Effekte fälschlich der Funktion zuzuschreiben.
  3. Ausschlusslisten vorher schärfen. Marken-, Wettbewerber- und Irrelevanz-Ausschlüsse auf Konto- und Kampagnenebene aktualisieren.
  4. Laufzeit ausreichend wählen. Automatisierte Systeme brauchen eine Lernphase. Bewertungen nach wenigen Tagen sind statistisch wertlos.
  5. Suchbegriffsbericht qualitativ prüfen. Neben den Kennzahlen sollte jemand die tatsächlich hinzugekommenen Anfragen lesen. Zahlen sagen, ob es funktioniert; die Anfragen sagen, warum.

Was das für die Arbeitsteilung im Team bedeutet

Mit jeder Automatisierungsstufe verschiebt sich die Arbeit von der Kampagnenbedienung zur Steuerung der Eingangssignale. Konkret gewinnen vier Dinge an Bedeutung: die Qualität der Conversion-Messung, die Definition dessen, was überhaupt als wertvolle Conversion gilt, die Pflege der Assets und Zielseiten sowie die Formulierung der Ausschlüsse.

Wer weiterhin überwiegend Gebote und Keyword-Listen manuell pflegt, arbeitet an der Stelle, die das System ohnehin übernimmt. Wer stattdessen dafür sorgt, dass das System die richtigen Ziele optimiert und die richtigen Seiten ansteuern kann, arbeitet an der Stelle, die das System nicht selbst lösen kann.

Dazu passt auch die Rolle KI-gestützter Werkzeuge auf der Erstellungsseite: Wenn ein System selbstständig Anzeigenvarianten kombiniert, ist ein reichhaltiger, markenkonformer Asset-Pool wertvoller als eine einzelne perfekt formulierte Anzeige. Genau dafür setzen viele Teams inzwischen KI-Textwerkzeuge ein – mit anschließender redaktioneller Prüfung, nicht als Ersatz dafür.

Wie man Herstellerzahlen richtig liest

Die 14 und 27 Prozent werden in der Berichterstattung häufig so zitiert, als handele es sich um einen zu erwartenden Effekt. Das sind sie nicht. Drei Einschränkungen gehören zu einer sauberen Lesart.

Die belastbare Größe ist deshalb nicht der berichtete Uplift, sondern der eigene Vorher-Nachher-Vergleich im Experiment – idealerweise bewertet an einer Kennzahl, die weiter unten im Prozess liegt als der Klick: qualifizierte Anfrage, abgeschlossener Kauf, Deckungsbeitrag.

Häufige Fragen

Ist AI Max dasselbe wie Performance Max?

Nein. Performance Max ist ein eigener, kanalübergreifender Kampagnentyp. AI Max ist eine optionale Einstellung innerhalb bestehender Suchkampagnen und lässt Kampagnenstruktur, Gebotsstrategie und Berichterstattung der Suchkampagne bestehen. Man kann AI Max also aktivieren, ohne die vorhandene Kontostruktur aufzugeben.

Sollte man AI Max sofort auf allen Kampagnen aktivieren?

Davon ist abzuraten. Sinnvoll ist ein Kampagnenexperiment auf einem Teil des Traffics, mit vorher geschärften Ausschlusslisten und einer Laufzeit, die eine Lernphase zulässt. Erst danach lässt sich beurteilen, ob die Wirkung im eigenen Konto den vom Anbieter berichteten Größenordnungen nahekommt.

Wie verlässlich sind die genannten 14 und 27 Prozent?

Es handelt sich um Angaben von Google aus eigenen frühen Tests, veröffentlicht im Mai 2025 im Zusammenhang mit der Ankündigung. Sie beschreiben typische Größenordnungen aus Anbietersicht und keine garantierte Wirkung. Die tatsächliche Veränderung hängt stark von Branche, Kontostruktur, Sortimentsbreite und Qualität der Conversion-Messung ab.

Fazit

AI Max ist der konsequente nächste Schritt in einer Entwicklung, die seit Jahren läuft: Steuerungshoheit wandert vom Keyword zum Signal. Der bemerkenswerte Teil der Ankündigung vom Mai 2025 ist die zugesagte Transparenz auf Anfrageebene – sie entscheidet darüber, ob diese Automatisierungsstufe steuerbar bleibt. Für Werbetreibende lautet die Empfehlung: testen, aber kontrolliert, mit sauberer Baseline, geschärften Ausschlüssen und einem Blick in die tatsächlich hinzugekommenen Suchanfragen.

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