Google Core Update März 2024 und KI-Content
Das März-2024-Core-Update von Google ist am 19. April 2024 nach 45 Tagen Ausrollzeit abgeschlossen worden – eines der umfangreichsten Kernupdates der vergangenen Jahre. Es richtet sich nicht gegen KI-generierte Texte an sich, sondern gegen massenhaft produzierte Inhalte ohne eigenen Wert. Wer KI im Content-Prozess einsetzt, muss deshalb nicht umsteuern, sondern nachweisen können, dass am Ende etwas Nützliches steht.
Was Google im März 2024 angekündigt hat
Am 5. März 2024 hat Google in seiner Ankündigung im hauseigenen Blog zwei Dinge gleichzeitig veröffentlicht: das März-2024-Core-Update und drei neue Spam-Richtlinien. In diesem Beitrag vom 5. März 2024 nannte Google die Erwartung, durch das Zusammenspiel beider Maßnahmen wenig hilfreiche, nicht originelle Inhalte in den Suchergebnissen um rund 40 Prozent zu reduzieren. Es handelt sich dabei um eine Prognose des Unternehmens selbst, nicht um eine unabhängig gemessene Größe – die Zahl beschreibt also die Zielsetzung, nicht ein überprüftes Ergebnis.
Die beiden Rollouts liefen unterschiedlich lange. Das begleitende Spam-Update war nach gut zwei Wochen abgeschlossen, das Core-Update dagegen erst am 19. April 2024 – Google bestätigte den Abschluss eine Woche später, am 26. April 2024. In derselben Aktualisierung korrigierte Google die eigene Erwartung nach oben: Statt der angekündigten 40 Prozent liege die Reduktion wenig hilfreicher Inhalte nun bei etwa 45 Prozent. Auch diese Zahl stammt von Google selbst und ist nicht extern überprüft; belastbar ist an ihr vor allem die Richtung.
Die lange Laufzeit erklärt, warum viele Websitebetreiber im Frühjahr über schwankende Rankings berichteten: Ein Zwischenstand während eines 45-Tage-Rollouts ist kein Endergebnis. Wer Mitte März anhand von zwei Wochen Daten Schlüsse gezogen und Inhalte umgebaut hat, hat auf Rauschen reagiert – und kann den eigenen Effekt später nicht mehr vom Update-Effekt trennen. Bei Kernupdates gilt deshalb: erst den bestätigten Abschluss abwarten, dann zwei bis drei Wochen stabile Daten sammeln, dann bewerten.
Die drei neuen Spam-Richtlinien
- Scaled Content Abuse: das massenhafte Erzeugen von Seiten, deren Hauptzweck die Manipulation von Rankings ist und die Nutzern wenig oder keinen Mehrwert bieten. Google betont ausdrücklich, dass es dabei keine Rolle spielt, ob die Inhalte automatisiert, von Menschen oder in Kombination erstellt wurden.
- Expired Domain Abuse: das Aufkaufen abgelaufener Domains, um deren Vertrauenssignale für thematisch unpassende Inhalte auszunutzen.
- Site Reputation Abuse: das Platzieren fremder, redaktionell kaum geprüfter Inhalte auf einer etablierten Domain, um von deren Autorität zu profitieren. Google hatte für diese Richtlinie eine Vorlaufzeit gewährt und die Durchsetzung für den 5. Mai 2024 angekündigt.
Der wichtigste Satz für Marketingteams steht in der Definition von Scaled Content Abuse: Entscheidend ist nicht die Produktionsweise, sondern die Absicht und das Ergebnis. Diese Haltung ist konsistent mit Googles Position zu KI-Inhalten, die das Unternehmen bereits im Februar 2023 formuliert hatte – Inhalte sollen für Menschen gemacht sein, nicht primär für Suchmaschinen.
Ein zweiter, oft übersehener Punkt: Helpful Content ist jetzt Teil des Kernsystems
Mit dem März-2024-Core-Update hat Google das bisher eigenständige Helpful-Content-System in das Kern-Rankingsystem überführt. Es gibt seitdem keine separaten Helpful-Content-Updates mehr. Praktisch bedeutet das zweierlei.
Erstens verschwindet der frühere klassenweite Effekt: Bisher konnte ein einzelnes System eine ganze Domain herabstufen. Google beschreibt die Bewertung nun als differenzierter, mit mehreren Signalen, die auf unterschiedlichen Ebenen wirken. Zweitens gibt es keine gesonderten Ankündigungen mehr für Qualitätsbewertungen – sie wandern in den regulären Kernupdate-Rhythmus.
Für die Praxis heißt das: Erholung nach einem Rückgang ist nicht mehr an ein bestimmtes Folgeupdate gekoppelt, sondern an die nächste Neubewertung im Kernsystem. Geduld ist damit Teil der Strategie, nicht ihr Gegenteil.
Wo KI-gestützte Content-Produktion zum Problem wird
Die Fälle, die von den neuen Richtlinien getroffen werden, folgen einem erkennbaren Muster. Drei Konstellationen sind besonders typisch.
Keyword-Matrizen statt Themen
Wenn aus einer Tabelle mit 800 Keyword-Varianten 800 Seiten entstehen, die sich nur in wenigen Wörtern unterscheiden, liegt Scaled Content Abuse nahe – unabhängig davon, ob ein Modell oder ein Textbüro die Seiten geschrieben hat. Der Test ist einfach: Wären zwei dieser Seiten für eine reale Person unterscheidbar nützlich?
Zusammenfassungen fremder Inhalte
Ein Text, der bestehende Beiträge zusammenfasst und neu formuliert, ohne eigene Daten, eigene Erfahrung oder eigene Einordnung, hat aus Sicht des Rankingsystems keinen Grund zu existieren. Genau diese Sorte Inhalt lässt sich mit generativen Werkzeugen besonders schnell in großer Menge herstellen – was sie zum Hauptrisiko macht.
Themenfremde Ausweitung
Ein Fachhändler für Werkzeug, der plötzlich Ratgeber zu Versicherungen und Kreditkarten veröffentlicht, sendet ein Signal für Site Reputation Abuse. Thematische Nähe zum Kerngeschäft ist damit kein redaktioneller Luxus, sondern ein Rankingfaktor.
Wie KI im Content-Prozess richtig eingesetzt wird
Die produktive Frage lautet nicht „KI ja oder nein“, sondern „an welcher Stelle der Wertschöpfungskette“. Bewährt hat sich eine Arbeitsteilung, bei der Modelle die skalierbaren, Menschen die urteilsabhängigen Schritte übernehmen.
- Recherche und Strukturierung: Themencluster bilden, Nutzerfragen sammeln, Gliederungen entwerfen. Hier bringt Automatisierung viel und riskiert wenig.
- Rohfassung mit eigener Datengrundlage: Nicht aus dem allgemeinen Modellwissen schreiben lassen, sondern auf Basis eigener Produktdaten, Messwerte, Kundenfragen und Projekterfahrungen. Der Unterschied im Ergebnis ist erheblich.
- Fachliche Prüfung durch Menschen: Zahlen, Zitate, rechtliche Aussagen und Produktangaben müssen von jemandem verantwortet werden, der sie beurteilen kann. Das ist kein Formalismus – erfundene Quellenangaben sind das größte praktische Risiko generativer Systeme.
- Ergänzung um Eigenanteile: eigene Fotos, eigene Messungen, eigene Fallbeispiele, benannte Autorinnen und Autoren mit erkennbarer Qualifikation. Genau das lässt sich nicht skalieren – und genau deshalb wirkt es als Unterscheidungsmerkmal.
- Bestandspflege statt Neuproduktion: In vielen Fällen bringt die Überarbeitung von 30 vorhandenen, mittelmäßigen Seiten mehr als 30 neue.
Was tun nach einem Rankingverlust?
Wer im Frühjahr 2024 Sichtbarkeit verloren hat, sollte in dieser Reihenfolge vorgehen. Erstens prüfen, ob eine manuelle Maßnahme in der Google Search Console vorliegt – dann ist die Ursache eindeutig und der Weg über einen Antrag auf erneute Überprüfung vorgezeichnet. Zweitens, falls keine manuelle Maßnahme vorliegt, den Verlust auf Seitentypen herunterbrechen: Betrifft er alle Bereiche oder gezielt eine Kategorie? Drittens die betroffenen Seiten mit den Fragen aus Googles Leitfaden zu hilfreichen Inhalten abgleichen, insbesondere: Würde jemand das Ergebnis als zufriedenstellend empfinden, oder würde er zurück zur Suche gehen?
Was nicht hilft: hektisches Löschen großer Seitenmengen ohne Analyse, das Ersetzen von Texten durch neue Texte derselben Machart, oder das Warten auf ein „Recovery Update“, das es in dieser Form nicht mehr gibt.
Site Reputation Abuse: der Punkt mit dem größten Sprengstoff
Von den drei neuen Richtlinien hat die dritte die weitreichendsten Folgen für etablierte Marken. Gemeint sind Bereiche auf einer starken Domain, die redaktionell nicht zum Angebot gehören: Gutschein- und Rabattverzeichnisse, angemietete Ratgeberstrecken, Partnerbereiche mit fremd erstellten Vergleichsinhalten. Genau solche Konstruktionen waren in den Jahren zuvor ein verbreitetes Modell, um Reichweite zu monetarisieren.
Google hat für diese Richtlinie eine Vorlaufzeit gewährt und die Durchsetzung erst zum 5. Mai 2024 angekündigt – das war ausdrücklich als Gelegenheit gedacht, betroffene Bereiche vorher zu bereinigen. Entscheidend ist dabei nicht, ob ein Inhalt von Dritten stammt, sondern ob eigene redaktionelle Kontrolle stattfindet und ob der Bereich thematisch zum Angebot passt. Eine Fachpublikation, die Gastbeiträge sorgfältig prüft, ist nicht gemeint. Eine Nachrichtenseite, die einen kompletten Unterordner an einen externen Betreiber vermietet, sehr wohl.
Für Marketingteams heißt das konkret: Alle Unterverzeichnisse und Subdomains prüfen, die nicht aus der eigenen Redaktion stammen, und für jeden einzelnen eine Entscheidung treffen – integrieren und redaktionell verantworten, deutlich abgrenzen oder aus dem Index nehmen.
Häufige Fragen
Bestraft Google KI-generierte Inhalte?
Nein. Google bewertet nach eigenen Angaben das Ergebnis, nicht die Produktionsweise. Bestraft wird massenhafter Inhalt ohne Mehrwert – dieser kann automatisiert oder manuell entstanden sein.
Muss ich KI-Inhalte kennzeichnen?
Für das Ranking verlangt Google keine Kennzeichnung. Transparenz über Autorenschaft und redaktionelle Verantwortung stärkt jedoch die Vertrauenssignale und ist unabhängig davon empfehlenswert.
Wie lange dauert eine Erholung nach einem Core-Update?
Google nennt keine feste Frist. Da Qualitätsbewertungen seit März 2024 Teil des Kernsystems sind, erfolgt eine Neubewertung im Rahmen der laufenden Aktualisierungen. Realistisch sind mehrere Monate, in denen substanzielle Verbesserungen umgesetzt sein müssen.
Fazit
Das März-2024-Core-Update hat den Maßstab verschoben, aber nicht die Grundlogik. Wer KI einsetzt, um schneller zu recherchieren, konsistenter zu strukturieren und mehr Zeit für die inhaltlich anspruchsvollen Teile zu haben, arbeitet mit dem Update, nicht dagegen. Wer damit dünne Seiten in großer Zahl produziert, hatte schon vorher ein Problem – es wird jetzt nur schneller sichtbar.
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