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Google Core Update August 2024: Sichtbarkeit prüfen

12. September 2024 · Virtual Marketer Team

Das August-2024-Core-Update von Google ist am 3. September 2024 abgeschlossen worden. Der Rollout hatte am 15. August 2024 begonnen und damit rund drei Wochen gedauert. Jetzt – und erst jetzt – lohnt sich die Auswertung: Erst nach dem bestätigten Abschluss lassen sich Sichtbarkeitsveränderungen sinnvoll bewerten.

Was Google mit diesem Update angekündigt hat

Google hat das Update am 15. August 2024 im eigenen Blog angekündigt und dabei ungewöhnlich deutlich auf Rückmeldungen aus dem Markt Bezug genommen. Nach der Aktualisierung des Helpful-Content-Systems im September 2023 hatten viele kleinere und unabhängige Websitebetreiber öffentlich Sichtbarkeitsverluste beschrieben. Google erklärte, dieses Feedback in die Bewertung einbezogen zu haben, und formulierte als Ziel, nützliche Inhalte stärker und speziell für Suchmaschinen gemachte Inhalte schwächer zu gewichten.

Wichtig ist die Einordnung dieser Aussage: Es handelt sich um eine Absichtserklärung des Unternehmens, nicht um eine überprüfbare Erfolgsmeldung. Google hat für das August-Update – anders als im März 2024, wo eine Reduktion wenig hilfreicher Inhalte um zunächst 40 und später 45 Prozent genannt wurde – keine Prozentzahl veröffentlicht. Wer in der Berichterstattung Prozentangaben zur „Erholung kleiner Websites“ liest, sollte prüfen, aus welcher Stichprobe sie stammen. Belastbare, repräsentative Zahlen dazu gibt es nicht.

Was in der Praxis beobachtet wurde

Unabhängige Beobachter, die Websites nachverfolgt haben, die 2023 vom Helpful-Content-Update betroffen waren, berichteten ein gemischtes Bild: Ein Teil dieser Seiten gewann nach dem August-Update wieder Sichtbarkeit, ein anderer Teil verlor weiter. Diese Auswertungen beruhen auf selbst zusammengestellten Stichproben einiger Hundert Websites und sind damit ein Hinweis, kein Beleg. Die vorsichtige Zusammenfassung lautet: Erholungen waren möglich, aber weder flächendeckend noch vollständig.

Für die eigene Bewertung ist das die entscheidende Lehre. Ob eine Branche insgesamt gewonnen oder verloren hat, sagt über die eigene Website wenig aus. Aussagekräftig sind nur die eigenen Daten – und zwar aufgeschlüsselt, nicht als Gesamtkurve.

Wie wertet man ein Core-Update sauber aus?

Die kurze Antwort: mit einem Vorher-Nachher-Vergleich in der Google Search Console, aufgeteilt nach Seitentypen und Suchintentionen, und mit ausreichend Abstand zum Rollout. Im Einzelnen sind fünf Schritte sinnvoll.

  1. Zeiträume festlegen. Vergleichen Sie die vier Wochen vor dem 15. August 2024 mit den zwei bis drei Wochen nach dem 3. September 2024. Werte aus der Rollout-Phase selbst gehören nicht in den Vergleich – sie beschreiben einen Zwischenstand.
  2. Saisonalität herausrechnen. August ist in vielen Branchen ein untypischer Monat. Prüfen Sie den Vorjahreszeitraum, bevor Sie einen Rückgang dem Update zuschreiben.
  3. Nach Seitentypen aufteilen. Ratgeber, Kategorien, Produktdetails, lokale Seiten. Ein Verlust, der ausschließlich Ratgeberinhalte trifft, hat eine völlig andere Ursache als ein gleichmäßiger Rückgang über alle Bereiche.
  4. Klicks und Impressionen trennen. Sinken die Impressionen, hat sich die Position verschlechtert. Bleiben die Impressionen stabil und die Klicks fallen, hat sich das Umfeld auf der Ergebnisseite verändert – etwa durch zusätzliche Elemente über den organischen Treffern.
  5. Manuelle Maßnahmen ausschließen. Ein Blick in den entsprechenden Bericht der Search Console dauert eine Minute und beantwortet die Frage nach der Ursache im Zweifel sofort.

Warum stürzen Websites bei Kernupdates ab?

Kernupdates bestrafen in aller Regel nichts Einzelnes. Sie bewerten die Gesamtqualität einer Website neu und verschieben dadurch die relative Position gegenüber Wettbewerbern. Ein Rückgang kann deshalb auch entstehen, ohne dass sich am eigenen Angebot etwas verschlechtert hat – schlicht weil andere besser geworden sind.

Trotzdem gibt es wiederkehrende Muster bei betroffenen Websites. Sehr viele Seiten zu eng verwandten Suchbegriffen, die sich inhaltlich kaum unterscheiden. Ratgeberbereiche ohne erkennbare fachliche Verantwortung. Inhalte, die eine Frage formal beantworten, aber keine Entscheidung unterstützen. Und Bereiche, die thematisch weit vom Kerngeschäft entfernt liegen und offensichtlich nur wegen des Suchvolumens entstanden sind.

Wer KI-Werkzeuge in der Content-Produktion einsetzt, sollte diese Muster besonders ernst nehmen – nicht weil generierte Texte an sich ein Problem wären, sondern weil sich mit ihnen genau diese Muster besonders schnell und in großer Zahl erzeugen lassen. Die Google-Richtlinie zu massenhaft erzeugten Inhalten stellt seit März 2024 ausdrücklich klar, dass es dabei nicht auf die Produktionsweise ankommt, sondern auf Absicht und Ergebnis.

Was jetzt konkret zu tun ist

Bei stabiler oder verbesserter Sichtbarkeit

Dokumentieren, was funktioniert hat. Welche Seitentypen haben gewonnen? Welche Inhalte wurden im letzten Jahr überarbeitet? Diese Zuordnung ist die einzige Möglichkeit, aus einem Update zu lernen, statt es nur zu überstehen. Anschließend das Gleiche auf die schwächeren Bereiche anwenden.

Bei Verlusten

Nicht sofort löschen. Der verbreitete Reflex, große Seitenmengen aus dem Index zu nehmen, entfernt oft auch Seiten, die Umsatz gebracht haben, und verhindert jede spätere Analyse. Sinnvoller ist ein Dreischritt: Erstens die betroffenen Seiten nach Umsatzbeitrag sortieren. Zweitens die zwanzig wichtigsten davon einzeln mit den Fragen aus Googles Leitfaden zu hilfreichen Inhalten abgleichen – insbesondere: Bietet diese Seite eigenständige Informationen, eigene Analyse oder eigene Erfahrung? Drittens diese Seiten substanziell überarbeiten und erst danach über den Rest entscheiden.

Realistisch ist dabei ein Zeithorizont von mehreren Monaten. Seit das Helpful-Content-System im März 2024 in das Kern-Rankingsystem überführt wurde, gibt es keine gesonderten Erholungsupdates mehr; eine Neubewertung erfolgt im Rahmen der laufenden Kernaktualisierungen.

Was sich aus dem Vergleich mit Wettbewerbern ablesen lässt

Weil Kernupdates relative Positionen verschieben, ist der Blick auf die eigenen Zahlen allein unvollständig. Nützlich ist eine kleine, manuell gepflegte Auswertung: Wählen Sie zehn bis fünfzehn Suchanfragen aus, die für Ihr Geschäft tatsächlich Umsatz bedeuten, und notieren Sie, welche Seiten dort vor und nach dem Update auf den ersten Plätzen standen.

Drei Muster kommen dabei regelmäßig vor. Erstens: An die Stelle allgemeiner Ratgeberportale rücken Anbieter mit erkennbarer Fachkompetenz – dann ist Substanz der Hebel. Zweitens: Es tauchen Foren, Bewertungsplattformen oder Communities auf – dann sucht das Publikum Erfahrungsberichte, und die eigene Seite sollte echte Praxisfälle enthalten. Drittens: Die Ergebnisse bleiben weitgehend gleich und nur die eigene Position hat sich verschlechtert – dann liegt die Ursache mit hoher Wahrscheinlichkeit im eigenen Bestand.

Dieser Vergleich kostet ein bis zwei Stunden und beantwortet die Frage nach der Richtung besser als jedes Sichtbarkeitsindex-Diagramm, das über alle Suchanfragen hinweg mittelt.

Wo KI im Analyse- und Überarbeitungsprozess hilft

Der Nutzen liegt weniger im Schreiben als in der Vorarbeit. Drei Einsatzfelder sind unmittelbar wertschöpfend: das Clustern von Search-Console-Daten nach Suchintention, um zu erkennen, welche Art von Anfragen verloren ging; der systematische Abgleich vorhandener Seiten gegen die tatsächlich gestellten Kundenfragen aus Support und Vertrieb; und das Erkennen inhaltlicher Dopplungen über hunderte Seiten hinweg, für das manuelle Sichtung schlicht zu langsam ist.

Was Werkzeuge nicht leisten, ist die Entscheidung, welche Seite eine Existenzberechtigung hat. Diese Bewertung setzt Kenntnis des eigenen Geschäfts voraus – und genau sie ist es, die nach einem Kernupdate den Unterschied macht.

Häufige Fragen

Wie lange sollte ich nach einem Core-Update mit der Bewertung warten?

Mindestens bis zum bestätigten Abschluss des Rollouts, danach noch zwei bis drei Wochen. Beim August-2024-Update bedeutet das: Bewertung frühestens ab Mitte September 2024, auf Basis von Daten ab dem 4. September.

Kann ich mich gegen ein Core-Update absichern?

Nicht im Sinne einer technischen Maßnahme. Absichernd wirkt nur inhaltliche Substanz: eigene Daten, eigene Erfahrung, benannte fachliche Verantwortung und eine thematische Ausrichtung, die zum Geschäft passt.

Sind KI-generierte Texte der Grund für meinen Rückgang?

Nicht automatisch. Entscheidend ist, ob die Seiten für Menschen nützlich sind. Problematisch wird es, wenn generative Werkzeuge genutzt wurden, um viele nahezu gleiche Seiten zu erzeugen oder fremde Inhalte umzuformulieren – dann greift die Richtlinie zu massenhaft erzeugten Inhalten unabhängig vom Werkzeug.

Fazit

Das August-2024-Core-Update war kein Bruch, sondern eine Fortsetzung: Google bewertet weiter Gesamtqualität statt Einzelmerkmale, und Erholung ist möglich, aber weder schnell noch garantiert. Die produktivste Reaktion nach dem Abschluss am 3. September 2024 ist deshalb nicht Aktionismus, sondern eine saubere, nach Seitentypen aufgeschlüsselte Auswertung – und daraus abgeleitet eine Überarbeitung der wenigen Seiten, die wirklich zählen.

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