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Onlinehandel Q1 2026: Alltagskäufe wandern ins Netz

28. April 2026 · Virtual Marketer Team

Der deutsche Onlinehandel ist stabil ins Jahr gestartet, und das Wachstum kommt aus einer bemerkenswerten Ecke: aus dem Alltag. Laut der Mitteilung des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel (bevh) vom 10. April 2026 lag der Umsatz im ersten Quartal 2026 bei 20,374 Milliarden Euro, ein Plus von 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Am stärksten wuchsen Lebensmittel mit 12,3 Prozent, Drogerie- und Kosmetikartikel mit 10,1 Prozent und Medikamente mit 9,8 Prozent.

Grundlage ist eine wöchentliche Verbraucherbefragung unter 40.000 Privatpersonen ab 14 Jahren in Deutschland; die Zahlen beziehen sich auf den Zeitraum vom 1. Januar bis 31. März 2026. Für Marketingteams ist die Verschiebung wichtiger als der Gesamtwert – sie verlangt eine andere Art von Produktkommunikation als das klassische Anschaffungsgeschäft.

Warum verändern Alltagskäufe die Anforderungen an Produktdaten?

Ein Sofa kauft jemand alle zehn Jahre, Waschmittel alle sechs Wochen. Diese Frequenz verändert alles: den Rechercheaufwand, die Toleranz für Reibung, die Bedeutung der Marke und die Frage, was ein Produkttext überhaupt leisten soll.

Anschaffung (selten)Alltagskauf (häufig)
Was der Kunde suchtOrientierung, Vergleich, SicherheitWiedererkennung, Verfügbarkeit, Tempo
Was der Text leisten musserklären und Einwände abräumeneindeutig identifizieren
Kritische AngabenMaße, Material, Kompatibilität, GarantieMenge, Größe, Variante, Haltbarkeit, Lieferzeit
Entscheidender FaktorVertrauenWiederkauf ohne Nachdenken

Der häufigste Fehler in Sortimenten, die aus dem Anschaffungsgeschäft kommen: Sie behandeln Alltagsartikel wie Anschaffungen und schreiben lange, werbliche Texte. Was dort tatsächlich fehlt, sind eindeutige Varianten – Menge in Gramm oder Milliliter, Packungsgröße, Duftrichtung, Stückzahl im Vorratspack – und die Möglichkeit, denselben Artikel in zwei Klicks erneut zu bestellen.

Varianten sind kein Detail, sondern das Geschäft

Bei Alltagsprodukten entscheidet die Variantenstruktur über Auffindbarkeit und Retourenquote gleichermaßen. Drei Punkte lohnen die Prüfung:

Was heißt das für Sortimente außerhalb von Lebensmitteln?

Auch dort wächst der Anteil von Käufen, die keine Recherche mehr auslösen: Verbrauchsmaterial, Zubehör, Ersatzteile, Filter, Kartuschen, Nachfüllpackungen. Diese Artikel haben in vielen Shops die schlechtesten Produktdaten, weil sie nie im Fokus standen – und gleichzeitig die höchste Wiederkaufwahrscheinlichkeit.

Ein pragmatischer Einstieg für das zweite Quartal:

  1. Die zwanzig Artikel mit der höchsten Wiederkaufrate identifizieren – nicht die mit dem höchsten Umsatz.
  2. Für diese Artikel prüfen, ob Menge, Kompatibilität und Passung vollständig als Attribut vorliegen und ob die Suche im Shop sie über die gebräuchliche Bezeichnung findet.
  3. Den Weg vom Kundenkonto zur Nachbestellung zählen: Wie viele Klicks sind es heute? Jeder eingesparte Schritt wirkt hier stärker als ein neuer Text.
  4. Die gefundenen Muster auf das restliche Verbrauchssortiment übertragen und automatisiert anwenden.

Wo generative Werkzeuge sinnvoll helfen

Bei Alltagssortimenten liegt der Nutzen nicht im Schreiben schöner Texte, sondern in der Strukturierung großer Mengen: Attribute aus Herstellerdatenblättern und PDFs extrahieren, Bezeichnungen vereinheitlichen, Kompatibilitätslisten aus Freitext in Felder überführen, fehlende Angaben systematisch aufspüren. Das ist Extraktion aus vorhandenen Quellen – und damit genau die Aufgabe, bei der die Fehlerquote niedrig bleibt. Erfundene Mengenangaben oder Kompatibilitäten wären dagegen unmittelbar schädlich, weil sie Rücksendungen erzeugen und wettbewerbsrechtlich angreifbar sind.

Was der Trend für Sortimentsseiten bedeutet

Im Anschaffungsgeschäft ist die Produktseite das Ziel. Im Alltagsgeschäft ist es die Kategorie- oder Listenseite, weil dort verglichen und ausgewählt wird – oft in Sekunden und häufig auf dem Smartphone. Diese Verschiebung hat konkrete Folgen für die Gestaltung.

Die Kennzahl, die den Unterschied zeigt

Wer prüfen will, ob das eigene Sortiment im Alltagsgeschäft angekommen ist, braucht keine neue Auswertung, sondern eine bekannte in anderer Aufteilung: den Anteil der Bestellungen von wiederkehrenden Kundinnen und Kunden, getrennt nach Warengruppe und über zwölf Monate betrachtet. Warengruppen mit hohem Anteil folgen den Regeln des Alltagsgeschäfts; solche mit niedrigem Anteil bleiben Anschaffungsgeschäft und brauchen die ausführlichere Beratung.

Aus dieser einen Aufteilung lassen sich anschließend Budgets, Textaufwand und Kampagnenziele unterschiedlich ansetzen – statt beide Geschäftsarten mit derselben Logik zu bearbeiten, was in gemischten Sortimenten der Regelfall ist.

Vorsicht bei der Übertragung auf das eigene Haus

Die genannten Wachstumsraten beschreiben den Markt, nicht einzelne Anbieter. Ein zweistelliges Plus bei Lebensmitteln im Gesamtmarkt bedeutet nicht, dass jeder Anbieter dieser Warengruppe wächst – es kann ebenso Verschiebung zwischen Anbietern bedeuten. Für die eigene Planung sind Marktzahlen deshalb ein Hinweis auf Richtung und Tempo, nicht auf das eigene Potenzial.

Was das für die Kampagnenplanung heißt

Im Alltagsgeschäft verschiebt sich das Ziel von der Neukundengewinnung zur Frequenz. Das verändert die sinnvollen Kennzahlen: Nicht die Kosten je Erstbestellung entscheiden, sondern die Kosten je Kundin über einen definierten Zeitraum im Verhältnis zum Deckungsbeitrag aller Bestellungen in diesem Zeitraum. Wer weiterhin auf die Erstbestellung optimiert, kauft Reichweite für ein Geschäft, das erst beim dritten Kauf profitabel wird.

Praktisch heißt das auch, dass ein Teil des Budgets aus der Akquise in Bestandskommunikation und Shop-Verbesserung wandern sollte – ein Vorschlag, der intern selten Beifall findet, weil er weniger sichtbar ist als eine neue Kampagne.

Der Nebeneffekt für die organische Sichtbarkeit

Vollständige Attribute wirken nicht nur im Shop, sondern auch in der Suche und in generierten Antworten. Wer nach »Nachfüllpack 1 Liter für Modell XY« sucht, formuliert eine präzise Frage – und beantwortbar ist sie nur, wenn Menge und Kompatibilität als Daten vorliegen, nicht als Halbsatz im Fließtext. Die Arbeit an Produktdaten zahlt damit gleichzeitig auf Conversion, Retourenquote und Auffindbarkeit ein.

Das ist der seltene Fall, in dem sich drei Ziele mit einer Maßnahme verfolgen lassen – und ein gutes Argument gegenüber der Geschäftsführung, die Datenpflege einmalig zu finanzieren, statt sie über Jahre nebenher laufen zu lassen.

Häufige Fragen

Lohnt sich ein Abo-Modell für Verbrauchsartikel?

Es lohnt sich dort, wo der Verbrauch tatsächlich planbar ist und der Kunde einen erkennbaren Vorteil hat – Preis, Bequemlichkeit oder Liefersicherheit. Ohne echte Planbarkeit erzeugt ein Abo vor allem Kündigungen und Serviceanfragen. Ein guter Zwischenschritt ist die einfache Nachbestellung aus der Historie.

Wie erkenne ich, ob mein Sortiment betroffen ist?

Sehen Sie sich den Anteil der Kundinnen und Kunden an, die innerhalb von zwölf Monaten mehr als einmal denselben oder einen ähnlichen Artikel gekauft haben. Liegt dieser Anteil spürbar über dem Rest des Sortiments, gelten die Regeln des Alltagsgeschäfts – unabhängig davon, in welcher Warengruppe die Artikel geführt werden.

Sind die bevh-Zahlen mit anderen Statistiken vergleichbar?

Nur eingeschränkt. Der bevh erhebt über eine Verbraucherbefragung und bezieht auch Dienstleistungen ein; andere Quellen rechnen auf Basis von Handelsumsätzen und grenzen anders ab. Für Trends und Warengruppenvergleiche innerhalb derselben Reihe sind die Zahlen gut nutzbar, für absolute Vergleiche zwischen Quellen nicht.

Der praktische Schluss aus dem Quartal ist unspektakulär und wirksam: Bevor das nächste Kampagnenbudget verplant wird, lohnt sich ein Blick darauf, wie einfach der zweite Kauf im eigenen Shop tatsächlich ist.

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